
Am vorletzten Spieltag der Saison sollte unser 1. FC Köln den SC Freiburg an einem Samstagnachmittag im heimischen Müngersdorfer Stadion empfangen. Aufgrund der verkorksten Heimbilanz hoffte ein jeder Kölner darauf, dass die Mannschaft zumindest im letzten Heimspiel noch einmal siegen würde, jedoch war ebenfalls jedem bewusst, dass die Mannschaft aus dem Breisgau den Klassenerhalt noch nicht endgültig geschafft hatte und es keineswegs leicht werden würde, drei Punkte zu holen.
In der Woche vor dem Spiel erreichte uns die schockierende Nachricht von der Auflösung dreier Gruppen der Virage Auteuil und Tribune G aus Paris. Sowohl „Grinta“ und „Authentiks“, zu denen wir sehr freundschaftliche Kontakte pflegen, als auch die „Supras Auteuil“, unsere Pariser Brüder, wurden seitens des Staates verboten. Verboten wurde weiterhin das öffentliche zur Schau stellen jeglicher Symbole der genannten Gruppen, weitere Zusammentreffen und gemeinsame Auftritte der Gruppenangehörigen und die Gründung von Nachfolgegruppen. Dies resultiert aus dem Streit zweier Kurven – wohlgemerkt eines Vereines (Paris St. Germain). Die Virage Auteuil ist die Heimat unserer Brüder und Freunde. Vertreten sind in dieser Kurve sämtliche Kulturkreise und Herkunftsländer, die es in Paris gibt und diese Stadt zu einem multikulturellen Ereignis machen.
Auf der anderen Seite steht der „Kop de Boulogne“, eine von Rassismus und rechtsextremen Neigungen geprägte Kurve. Der Streit dieser beiden Kurven gipfelte wenige Wochen vor der Auflösung der Gruppen in dem Tod eines Kop-Mitglieds, welches nach einer Schlägerei ins Koma fiel und bald darauf verstarb.
Für einen Text, der sich tiefergehend mit den Ursachen, Geschehnissen und Auswirkungen beschäftigt, sei auf die Internetseite der Coloniacs verwiesen (www.coloniacs.com).
Aufgrund dieser erschütternden Nachricht solidarisierte sich die Kölner Ultrà-Szene während des Spiels auf folgenden Spruchbändern mit unseren Jungs aus Paris:
„Virage Auteuil encore vivant!“ („Virage Auteuil lebt weiter!“ WH96),
„GRINTATKSA91 POUR TOUJOURS! NO JUSTICE NO PEACE!“ (“GRINTATKSA91 für immer! Keine Gerechtigkeit, keinen Frieden!“ Coloniacs ),
„Sarkozy: Liberté, egalité, fraternité?? Auch für Ultras !!“ (Boyz)
„We are Paris - We are Cologne and we always will be!” (Coloniacs, WH96)
Eine weitere schlechte Nachricht erreichte die Kölner Szene und unsere Gruppe im Besonderen in den letzten Tagen: Zur neuen Saison wird es den Raum im Radstadion als Anlaufstelle für die Fanszene und als Versammlungspunkt unserer Gruppe nicht mehr geben. Die genaue Situation wurde im Schwaadlappe Nr. 56, welcher unter nachfolgenden Link gelesen und runtergeladen werden kann, erläutert. Unser Anliegen brachten wir mittels eines Spruchbandes zum Ausdruck: „KSS (Kölner Sportstätten): Der Raum im Radstadion muss für die Kölner Fanszene erhalten bleiben!“
Nun aber zum Hauptsächlichen: Der FC fand von Spielbeginn an gut in die Partie und wusste diese über weite Strecken der ersten Hälfte zu kontrollieren. Schon nach neun Minuten traf Tosic zur Führung für unsere Mannschaft. Die bis zur 31. Spielminute souverän spielende Kölner Hintermannschaft ließ seitens der Breisgauer kaum gefährliche Offensivaktionen zu. Das Chaos im Strafraum nach einem Eckball der Freiburger nutzte Idrissou jedoch zum 1:1. Bis zur Halbzeit ergaben sich keine weiteren nennenswerten Aktionen.
In den zweiten 45 Minuten begannen beide Teams zunächst sehr zurückhaltend. In der 59. Spielminute traf wiederum Idrissou mit einem Sonntagsschuss wie aus dem Nichts. Dieses Tor führte zu einer Öffnung des Spiels: Sowohl der SCF als auch unser FC suchten ihr Heil in Offensivaktionen. Auf Dauer gewannen unsere Mannen jedoch die Überhand, was folgerichtig zum in der 84. Minute von Freis erzielten Ausgleich führte. Beim 2:2 blieb es auch.
Nach Spielende verabschiedete die Mannschaft die anwesenden Kölner Fans mit dem Spruchband „Ihr seid erstklassige Fans - Dank Euch bleiben wir es auch!“ In vielerlei Hinsicht hat dieser Spruch einen gewissen Wahrheitsgehalt: Das Potential innerhalb der Szene ist vorhanden, Auswärtsspiele werden von einer großen Anzahl Kölner besucht und auch beim für uns Kölner Fans 'verbotenen' Hoffenheimspiel waren wir anwesend, um unser Team zu unterstützen. Jedoch ist nicht zu verkennen, dass ein großer Teil des Publikums, hauptsächlich bei Heimspielen, mehr und mehr zum Eventpublikum verkommt. Kontinuität bzgl. des Supports und der Stadionbesuche, was für uns ein wichtiges Kriterium für die Definition eines Fans darstellt, vermisst man immer häufiger. Damit soll keinesfalls gemeint sein, dass von jedem Fan erwartet wird, 90 Minuten durchzusingen. Unserer Ansicht nach wäre dies zwar der Optimalfall... Zumindest was die in S3 stehenden Leute anbelangt erwarten wir jedoch ein hohes Supportengagement. Jedoch scheinen auch in diesem Bereich, einem der wohl noch beständigsten Blöcke im Müngersdorfer Stadion, die Zuschauer von Spieltag zu Spieltag zu wechseln. Lediglich in den unteren zehn bis 15 Reihen kennt ein Fan noch so etwas wie einen angestammten Stehplatz. Traurig aber wahr!
Wie nach jedem Heimspiel begrüßten wir vor den Toren die Stadionverbotler unsere Szene, welche sich mit dem Spruchband „Ihr habt uns die Kraft gegeben auch in dieser Saison nicht aufzugeben“ bei allen ihren Unterstützern und Brüdern, die im Stadion standen und ihnen über diese schwere Zeit hinweghelfen, bedankten. Während der Präsentation des Spruchbandes brüllten alle Anwesenden gemeinsam das kölsche Lied „Unser Veedel“. Gerade die Passage ,denn he hält m'r zosamme, ejal wat och passeet' trifft es derzeit wohl am allerbesten: Egal, welche Hiobsbotschaften uns noch erreichen, welche Steine uns in den Weg gelegt werden - Wir alle gemeinsam, Kölner und Parisiens, geben nicht auf!
Auf dem Weg zum Radstadion, auf dessen Gelände wie nach jedem letzten Heimspieltag die Saisonabschlussfeier der Szene stattfand, fanden noch einige Bengalen und Rauchtöpfe begleitet von ,Pyrotechnik ist kein Verbrechen' - Gesängen den Weg gen Himmel, getreu dem Motto unserer neu erstellten T-Shirts: „Ich. Du. Wir sind FC. Kölner - Mit Feuer und Flamme!“.
Auf der Vorwiese der Nordkurve bedankten sich nochmals unsere SVler mittels eines Spruchbandes, ehe es nach dem Gruppenfoto endlich an die Grill- und Bierstände ging. Der ausgiebige Schmaus der in erfreulich großer Zahl anwesenden Kölner wurde ein weiteres Mal von unserer Sektion Stadionverbot unterbrochen, welche es sich nicht nehmen ließ, einen Gruß an diverse Organisationen zu senden („...und an Presse, DFB und Polizei: Auch nächstes Jahr sind wir dabei !!“) und dazu ein nettes Feuerwerk zu veranstalten. Das letzte Spruchband unserer Stadionverbotler war zweien unserer Gruppe gewidmet, die in der nächsten Saison endlich wieder ihre Leidenschaft im Stadion ausleben und ihren geliebten Verein unterstützen können („Wir werden euch vermissen aber wir lassen euch gehen mit gutem Gewissen!“). So nahm der Abend im Kreis der Szene bei diversen Getränken, Grillgut und Musik unserer Gruppen-DJ's seinen Lauf.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle anwesenden, mithelfenden oder genießenden Kölner für diesen gelungenen Saisonausklang. Ein letzter Akt bleibt jedoch noch zu bewältigen: Lasst uns unseren Verein auch in Nürnberg gebührend unterstützen und den Franken zeigen, was kölscher Frohsinn bedeutet...
Schwaadlappe Nr. 56 / FC - SC Freiburg